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Ich bitte die Benutzer dieser Site um Feedback in meinem Gästebuch
Beitrag zu EFFIZIENZ - Informationsjournal des Fachbereichs WiWi
der Westsächsischen Hochschule Zwickau - University of Applied Sciences
Ausgabe 3 (Wintersemester 2003/2004)
mehr Infos: www.fh-zwickau.de
www.fh-zwickau.de/wiwi/juergen.haerdler/start.html
100 Tage BWL-Studium – Gedanken eines Erstsemestlers
von Markus FG 032021/3
Ein
Jahr ist wieder vergangen und die guten Vorsätze für das neue klingen noch in
den Ohren. Zeit also, um Bilanz zu ziehen.
Welche Vorsätze hatte ich vor genau einem Jahr?
- das Fachabitur mit guten Noten abschließen: geschafft!
- In Zwickau angenommen zu werden: Numerus Clausus kein Problem!
- Einen guten Start in das Studium zu haben: gelungen!
Dennoch ertappe ich mich hin und wieder bei der Frage: War es die richtige Entscheidung, mit 32 noch ein Studium aufzunehmen? Die Antwort lautet jedoch stets: Ja! Die kaufmännischen Grundlagen sind gesetzt, seit ich noch zu DDR-Zeiten meine Fachverkäuferlehre absolvierte. Auch wenn ich zwischenzeitlich das kaufmännische Berufsfeld verließ, so bin ich durch das Wirtschafts-Fachabitur direkt vor Studienbeginn wieder zu meinen Wurzeln und auf den aktuellsten Bildungsstand gekommen. So gab es für mich keine alternative Konsequenz, die nächst höhere Stufe der kaufmännischen Qualifikation zu erklimmen.
Anfangs hatte ich keine konkreten Vorstellungen, was mich dabei erwartet. Natürlich habe ich versucht, mir im Vorfeld ein Bild des künftigen Ausbildungsweges zu machen. Man weiß, dass Fachhochschulen für praxisorientierte Inhalte stehen, ein Praxissemester Pflicht ist und eine straffe vierjährige Ausbildung dadurch gewährleistet wird, dass aufgrund vorgelagerter Ausbildung bzw. Praktika kaufmännische Kenntnisse bereits in das Studium einfließen.
Umso mehr war ich überrascht, dass bereits am ersten Studientag meine Erwartungen an eine straffe Stoffvermittlung und Organisation relativiert wurden. Ich durchlief erst einmal drei Propädeutische Tage. Natürlich wurde einigen durch deren lockere Gestaltung der psychologische Druck und die Ungewissheit, die man als „Frischling“ in einer Bildungseinrichtung hat, genommen. Doch war ich vielleicht nicht der einzige neue Student, der bereits im Vorfeld des Studienantritts informiert war über Studien- und Prüfungsordnung, Räumlichkeiten, finanzielle und organisatorische Obliegenheiten. Internet, Broschüren, Gespräche mit Mitarbeitern des Studentensekretariats sowie ein Erkundungsrundgang durch den Campus dienten mir dazu, mental und organisatorisch fit für den Studienbeginn zu sein.
War der Tenor der PPT nur für mich nichts Neues?
- Regelstudienzeiten einhalten?! Wer hat schon genügend Zeit und Geld, um die 14 Semester auszureizen, die die Studienordnung zulässt?
- Regelmäßige Teilnahme an den Lehrveranstaltungen?! Frühestens beim Lösen der Übungsaufgaben kenn jeder feststellen, dass man schnell den Anschluss verpasst, wenn einem der aktuelle Stoff wegen Fehlens fehlt.
- Tägliches Selbststudium?! Man zeige mir den Studenten, der in allen Vorlesungen alles versteht und nicht in Ruhe noch einmal nachlesen oder –rechnen muss.
- Lösen der Übungs- bzw. Seminaraufgaben?! Beim ersten Seminar, in das man vorbereitet oder unvorbereitet geht, lernt man schnell den den Wert des Selbststudiums als auch des Seminars zu schätzen; entweder durch Erkenntnisgewinn im ersten oder durch absolute Ahnungslosigkeit im letzteren Fall.
Das Thema Auslandsstudium war sicherlich für die meisten neuen Studenten auch nur obligatorisch-informativ. Die aktuellen Zahlen belegen ja, dass es nicht gerade viele Studenten bei uns gibt, die ungebunden, vermögend und sprachbegabt genug sind, um diese Karrierespritze mitnehmen zu können. Hinzu kommt die Hürde, das Vordiploms in Regelstudienzeit zu bestehen – in der Matrikel 012021 des Studienganges „Betriebswirtschaft“ waren es gerade einmal 15 Prozent.
Die Veranstaltungen zur Vorstellung des Studentenrates und Fachschaftsrates war ein kleiner Ausblick darauf, wie schwer es diese Gremien haben, sich trotz nicht sehr hohem Interesse und Beteiligung der Allgemeinheit der Studenten, für deren Belange einzusetzen und an unserer Hochschule etwas zu bewegen. Der Aufruf zur Mitarbeit war eindringlich und die Aussicht auf viele Partys diente auf den ersten Blick eher als Lockmittel, anstatt als Aufruf, das Sudentenleben als gemeinschaftliche Angelegenheit zu betrachten. Doch hat auch die nur 40-prozentige Beteiligung an der FSR-Wahl (trotz Glühweingutscheinen) gezeigt, dass nach wie vor wenigen Studenten viel an Gemeinwohl und Mitbestimmung liegt.
Ob der Studentenrat allerdings immer den richtigen Ton trifft, die Forderungen stets von der Allgemeinheit der Studierenden getragen werden und die ein oder andere Forderung nicht nur reines Gemotze ist, wurde beim Auftritt der Studentenvertretung bei der feierlichen Immatrikulationsfeier vielleicht ein wenig in Frage gestellt. Einige Eltern als auch geladene hohe Gäste waren etwas verunsichert und empfanden die legere Darbietung in diesem Rahmen eher peinlich. Allerdings nicht ganz so peinlich, wie den recht schwachen Auftritt des Hochschulchores.
Ich würde die PPT also so zusammenfassen: Viel Leerlauf, Wiederholungen in den Belehrungen und Ermahnungen, Informationen, die auch im Vorfeld auf vielfältige Weise zu erlangen sind und vor allem Zeit, die der Stoffvermittlung verloren ging.
Aber dann ging es ja los mit dem Studieren und nach den ersten Veranstaltungen kamen erneut Zweifel auf, ob alles mit rechten Dingen vorgeht. Wurden wir nicht ausführlich in das Hochschulnetz eingewiesen und die Vorzüge des Downloads des Studienmaterials beschrieben? Gerade einmal für drei Fächer steht das Material im Netz bereit. Das übrige Material begann eine lange Odyssee vom Aushändigen der Unterlagen durch die Professoren über unzählige Kopierläden und Studenten, denen die finanziellen und zeitlichen Ersparnisse von Sammel-Aufträgen kein Begriff war. Natürlich ist das Herunterladen von unvorteilhaft großen Dateien in speziellen Fächern auch zeit- und geldraubend, aber der Zugriff ist zumindest gewährleistet. So bewerte ich augenblinzelnd die Weigerung, das Material ins Netz zu stellen nicht als Technologie-Boykott und Unvermögen, sondern als Beitrag zur Stärkung des Kopier- und Bürosegments der regionalen Wirtschaft.
Was den Studieninhalt betrifft, so fehlt mir persönlich die Symbiose aus den Ausbildungen des allgemeinen Abiturs und des Wirtschaftsfachabiturs als Voraussetzung, dem Studium voll gerecht zu werden. Die fachlichen Anforderungen an die Studenten könnten unterschiedlicher nicht sein. Aufgrund der der breiten Zugangsvoraussetzungen zum BWL-Studium kann zum einen in den wirtschaftlichen Fächern nicht auf Vorkenntnissen aufgebaut werden. Dadurch ist den Wirtschaftsabiturienten thematisch und inhaltlich etliches bereits bekannt. Zum anderen wird in den mathematischen Fächern ein Niveau vorausgesetzt, das man bestenfalls von Abiturienten mit Schwerpunktfach Mathematik verlangen kann. Und so spalten sich die Studiengruppen in jene Gruppe, die in BWL, VWL und Buchführung fit sind, weil sie das Fachabitur haben und jene, die einigermaßen mit Mathematik und Statistik zurecht kommen, weil sie das allgemeine Abitur haben.
Ich denke, mit strengeren Vorgaben über die Studienvoraussetzungen könnte in höherem Maße eine homogene, straffe und Zielgerichtete, als auch anspruchsvolle Fachhochschulausbildung gewährleistet werden. Darüber zu entscheiden ist allerdings Angelegenheit der Kultusminister.
Die fachliche und methodisch-didaktische Kompetenz der Professoren ist in den allermeisten Fällen nicht anzuzweifeln. Und so fühle ich mich fachlich von den meisten Professoren unseres Lehrstuhls gut begleitet. Natürlich bleibt ein umfangreiches Selbststudium auch mir nicht erspart. Auch wenn es oft schwierig und mühsam ist, genügend Zeit aufzubringen, wenn man entweder einen Nebenjob zur finanziellen Absicherung eingehen muss, oder aber bereits Familie hat, die berechtigterweise auch Anspruch auf Zuwendung und Zeit hat.
Ob ich dem Anspruch des Studiums gerecht werde und mein Ziel, in 4 Jahren das Diplom in der Tasche zu haben, erreichen werde, kann ich wohl erst nach den ersten Klausuren annähernd beantworten. Sie werden aufzeigen, ob ich im ersten Semester genug Kenntnisse erwerben konnte und in der Lage bin, Zusammenhänge zu erkennen, Abstraktionen zu verallgemeinern, oder praktische Vorgänge in Formeln zusammenzufassen.
Der Spaß am Studieren und das Gefühl, die richtige Entscheidung getroffen zu haben, ist mir bis jetzt jedenfalls noch nicht verloren gegangen. Und der Erfolg des Studiums wird mit Sicherheit maßgeblich von mir selbst abhängen
PS: mittlerweile habe ich die ersten 5 Klausuren bestanden