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Monogamie
- eine
"Beziehungskiste"
mit Zwischenböden
Ein altes Thema im
Licht neuer Forschungen diskutierten Wissenschaftler im Rahmen eines Workshops
unter dem Titel „Monogamy: Partnerships in Birds, Humans and other
Mammals", der vergangenes Jahr in Leipzig stattfand. Dr.
Ulrich Reichard vom
MAX-PLANCK-INSTITUTFÜR
EVOLUTIONÄRE ANTHROPOLOGIE
hat die
wichtigsten Aspekte für die maxplanckforschung
zusammengefasst.
Monogames
Zusammenleben, jene enge soziale Beziehung eines Männchens mit einem
Weibchen,
ist bei Säugetieren relativ selten und kommt nur bei ungefähr drei Prozent
der Arten vor. Bei den nicht-menschlichen Primaten allerdings ist mit etwa 15
Prozent der Arten die Monogamie deutlich weiter verbreitet, und unter Vögeln
gelten monogame Paarbeziehungen sogar als die Regel. Für unsere eigene
Spezies weist Murdocks „Atlas der Weltkulturen" etwa 17 Prozent aller
rund 660 gelisteten Gesellschaften als in irgendeiner Weise sozial monogam
aus. Doch das Bild idyllischer Kleinfamilien aus Müttern, Vätern und
Kindern trügt - zumindest in Tiergesellschaften: Unter der Oberfläche enger
Partnerschaften verbergen sich häufig konfliktträchtige weibliche und männliche
Interessen, und die idealisierte, scheinbar harmonische Paarbeziehung entpuppt
sieh bei näherer Betrachtung gelegentlich eher als ein Kampf der
Geschlechter. Verhaltensbeobachtungen zeigen, dass sozial monogames
Zusammenleben nicht mit monogamer Paarung oder Fortpflanzung gleichzusetzen
ist. So nehmen es die Weibchen der kleinen Menschenaffen, Alpenmurmeltiere,
Fettschwanzmakis, Erdwölfe, Weißbüschelaffen und der kleinen Mongolischen
Rennmaus sowie eine Vielzahl paarlebender Vögel mit der sexuellen Treue zu
ihren männlichen Sozialpartnern nicht immer so genau.
Gelegentliche Kopulationen
außerhalb der Paarbeziehung - so genannte Extra-Paar-Kopulationen (engl.:
EPCs) - sind bei Säugetieren wie auch vielen Vogelarten inzwischen
hinreichend dokumentiert.
Und vermutlich machen auch Weibchen unserer eigenen Art keine Ausnahme.
Wenngleich Zahlen über die Häufigkeil gleichzeitiger sozio-sexueller
Beziehungen junger Frauen westlicher Kulturen zu mehr als einem männlichen
Partner je nach Studie zwischen „vereinzelt" und „mehr
als die
Hälfte" extrem
schwanken, so scheint zumindest für einen Teil der Frauen sexuelle
Flexibilität
durchaus mit festen sozialen Partnerschaften und ohne offenbare psycho-soziale
Schwierigkeiten vereinbar zu sein.
Die Erkenntnis, dass sozial monogame Weibchen aktiv mit mehreren Männchen verkehren, kam für die Wissenschaft überraschend. Man ging eigentlich davon aus. dass Weibchen insgesamt kaum Fortpflanzungsvorteile aus Kopulationen mit mehreren Männchen erzielen, und das schon gar nicht, wenn sie in festen Paarbeziehungen leben. Im Ggenteil: Weibchen auf sexuellen Abwegen müssen sogar mit Nachteilen rechnen, wenn sie dabei vom Partner beobachtet werden. Eingeschränkte männliche Hilfe bei der Jungenaufzucht kann eine Folge weiblicher sexueller Flexibilität sein - ganz zu schweigen von möglicherweise beim Akt abbekommenen Parasiten oder Krankheiten. John G. Ewen und Doug P. Armstrong (School of Zoology, La Trobe University, Melbourne, Australien, und Institute of Natural Resources. Massey University, Palmerston North, Neuseeland) beispielsweise fanden heraus, dass Stitchbird-Männchen Nachkommen umso weniger fütterten, je häufiger ihre Partnerinnen Ziel von Kopulationsversuchen anderer Männchen waren.
Weißhand-Gibbons
in ihrem Element:
Doch
die eigentliche Überraschung war, dass der Anteil fremd gezeugter Jungvögel
bei sozial streng monogam lebenden Sperlingsvögeln ungefähr doppelt so
hoch lag wie bei Arten, bei denen sich ein Weibchen auch sozial polygyn
verpaaren kann, das heißt, mit einem Männchen leben kann, das bereits eine
Partnerin hat. Die Ornithologen erklären diesen Unterschied durch die
freiere Partnerwahl: Wo Weibchen ihre sozialen Partnerscharten freier wählen
können, sind jene, die sich für ein sozial monogames Paarlehen entschieden
haben, vermutlich auch sexuell monogamer als Weibchen jener Arten, hei denen
lediglich soziale Monogamie als Norm besieht.
Welche
Vorteile verschaffen sich sozial monogame Weibchen durch Fortpflanzung mit
anderen Männchen? Mit dieser Frage beschäftigt sich der Ornithologe Bart
Kempenaers von der Max-Planck-Forschungsstelle für Ornithologie in
Seewiesen. Er unterscheidet direkte, indirekte und soziale Vorteile.
paarung
GEHT
ÜBER DEN magen
Kopulationen
mit mehreren Männchen können direkt vorteilhaft für Weibchen sein, wenn Männchen
während ihrer Avancen „Werbegeschenke" machen. Solche
Kopulationsgeschenke sind vor allem bei Insekten bekannt: So übergeben Mückenhaften-
Männchen ihrer Partnerin zu Beginn der Kopulation Schmeißfliegen-Leckerbissen,
und die Kopulation dauert dann um so länger, je länger der Verzehr der
Fliege dauert. Auch bei Menschenaffen, den Bonobos, notierten Gottfried
Hohmann und Barbara Fruth (Max-Planck-Instilut für evolutionäre Anthropologie,
Leipzig, und Max-Planck-Institut für Verhalten & Physiologie, Seewiesen)
einen Zusammenhang zwischen Futtergeschenken und Paarungen. Weibchen präsentierten
sich Männchen zur Kopulation, wenn diese eine begehrte Frucht besaßen.
Einen anderen Weg, sich direkte, materielle Hilfe durch Kopulationen zu
verschaffen, beobachteten J. David und Sandy H. Ligen (Department of Biology,
University of New Mexico, Albuquerque, USA) bei kooperativ brütenden grünen
Baumhopfen, bei denen Weibchen nach der Eiablage gelegentlich mit einem der
bis zu vier männlichen Helfer kopulieren - offenbar, um die Helfer zu erhöhter
Futterbeschaffung für sich und ihre Jungen zu motivieren. Der bisher klarste
Hinweis auf materielle Vorteile durch Kopulation außerhalb fester
Paarbeziehungen stammt allerdings von Rotschulterstärlingen. Elizabeth M.
Gray (Departement of Zoology, University of Washington, USA) beobachtete, dass
Weibchen, die mit Nachbarmännchen kopuliert hatten, Zugang zur Nahrungssuche
im nachbarlichen Territorium gewährt wurde, während sexuell monogamen
Weibchen
solches nicht gestattet war. Darüber hinaus warnten Nachbarmännchen
aggressiver vor Raubfeinden in der Nähe eines Nachbarnestes, wenn sie mit dem
dort ansässigen Weibchen kopuliert hatten.
Eine
alternative Hypothese favorisiert indirekte, genetische Vorteile durch
Extra-Paar-Kopulationen. Hierunter fallen eine Reihe von Aspekten, die mit
der Weitergabe genetischen Materials zusammenhängen. Weibchen profitieren
indirekt durch die Wahl bestimmter Kopulations-Partner, indem die mit diesen
Männchen
gezeugten Jungen
bessere Fähigkeilen besitzen oder später attraktiver auf
Geschlechtspartner wirken.
Eine
Variante der genetischen Vorteils-Hypothese geht davon aus, dass Weibchen mit
mehreren Männchen kopulieren, um eventueller Zeugungsunfähigkeit ihres
Partners und einem damit verbundenen reproduktiven Verlust vorzubeugen. Doch
diese „Befruchtungs-Sicherheits-Hypothese" ist laut Kempenaers als
Erklärung
für promiskes Verhalten nicht unumstritten. Der Forscher arbeitete schon
vor Jahren mit Blaumeisen und fand eine andere Begründung für promiskes
Verhalten: Wenn sich Männchen im genetischen Make-up unterscheiden, sollte
es für jene Weibchen, die mit einem Männchen von relativ schlechter
genetischer
Qualität verpaart sind, lohnend sein, durch Extra-Paar-Kopulationen mit
einem genetisch hochwertigen Männchen die Überlebens- und
Fortpflanzungschancen ihrer Nachkommen zu erhöhen. Diese Vermutung hat in
der Fachliteratur als „Gute-Gene-Hypothese" Eingang gefunden, obwohl
im Vererbungsprozess nicht einzelne Gene ausgewählt werden können. Gemeint
ist vielmehr eine Anzahl, ein Komplex von Eigenschaften, der seinem Träger
mehr Erfolg im Konkurrenzkampf um Fortpflanzung verspricht. Bisher erwies es
sich allerdings selbst bei Vögeln als schwierig, diese an sich plausible
Hypothese zu bestätigen.
Kempenaers
und seinen Kollegen allerdings gelang ein solcher Nachweis bei Blaumeisen.
Die Wissenschaftler nahmen die Häufigkeit von Weibchen-Besuchen in einem
Männchen-Territorium
als Maß für die Attraktivität eines Männchens. Je häufiger ein Männchen
in seinem Territorium Weibchen empfing, als umso attraktiver wurde es
eingestuft. Dabei zeigte sich, dass Weibchen, die sozial mit attraktiven Männchen
verpaart waren, während
ihrer fruchtbaren Zeiten das Territorium des Partners nicht verließen,
dass hingegen Weibchen, die mit einem als unattraktiv eingestuften Männchen
verpaart waren, während
fruchtbarer Zeiten häufig Nachbar-Territorien aufsuchten. Und diese
Beobachtung
spiegelte sich auch in der genetischen Analyse wider.
Eine
offene Frage bleibt allerdings, wie Weibchen die genetischen Qualitäten von
Männchen erkennen, da ihnen ja nur äußere, phänotypische Merkmale wie
Aussehen oder Verhalten zur Verfügung stehen. In einer Studie am
Drosselrohrsänger fanden Dennis Hasselquist, Staffan Bensch und Torbjöm von
Schantz (Department of Animal Ecology, Lund University, Schweden), dass
Weibchen für Kopulationen außerhalb der Paarbeziehung Nachbarmännchen
mit besonders umfangreichem Gesangsrepertoire bevorzugten. Auch zeigte
sich, dass mehr Jungvögel von Männchen
mit größerem Repertoire bis zum Erwachsenenalter überlebten als
Nachkommen von Vätern mit kleinerem Gesangsrepertoire. Daraus schlössen
die Forscher, dass Drosselrohrsänger-Weibchen am Gesang eines Männchens
die Überlebenschancen der mit ihm gezeugten Kinder verlässlich ableiten können.
Neben
der „Befruchtungs-Sicherheit"- und „Gute-Gene-Hypothese"
werden noch andere Erklärungen für Extra-Paar-Kopulationen diskutiert. So könnten
auch die genetische Kompatibilität von Geschlechtspartnern oder die
Erzeugung genetisch unterschiedlicher Nachkommen eine Rolle spielen. Insgesamt
erscheint es unwahrscheinlich, dass eine einzelne Antwort das komplexe
reproduktive Verhalten paarlebender Weibchen begründen kann. Zu groß
scheinen die Unterschiede in der Funktion sexuellen Verhaltens bei
verschiedenen Arten. Darüber hinaus schließen die Hypothesen einander nicht
gänzlich aus und erklären wohl nur in Kombination die Beobachtungen.
partner-test
VOR DER NÄCHSTEN brutsaison
Dass
noch kein klares Urteil über die möglichen genetischen Vorteile von
Extra-Paar-Kopulationen für paarlebende
Weibchen vorliegt, könnte
laut Richard W. Wagner (Konrad-Lorenz-Institut für vergleichende
Verhaltensforschung, Wien, Österreich) auch anzeigen, dass man sexuell
promiskes Verhalten paarlebender Weibchen nicht nur in reproduktivem
Zusammenhang sehen darf. Seine Studien am kleinen Tordalk legen einen
solchen Schluss nahe. Er beobachtete Extra-Paar-Kopulationen während
zweier Phasen im weiblichen Reproduktionszyklus, die beide außerhalb der
fruchtbaren Periode der Weibchen lagen: Zum einen kopulierten Weibchen
direkt nach der Eiablage und/oder aber am Ende der Paarungszeit mit fremden Männchen.
Wagner interpretiert dieses nichtreproduktive Sexualverhalten der
langlebigen und zu ihren Nistplätzen äußerst treuen Tordalk-Weibchen als
eine Form des Partnertestes für die kommende Brutsaison.
Die
Gefahr des Infantizids - des Tötens von Jungtieren - ist ebenfalls als Grund
für sexuelle Kontakte paarlebender Weibchen mit fremden Männchen im Gespräch.
Infantizid kann eine erfolgreiche männliche Reproduktionsstrategie
sein, wenn
gleichzeitig drei Bedingungen erfüllt sind: Die Wahrscheinlichkeit, dass das
„kindermordende" Männchen das Jungtier gezeugt hat, sollte
ausgeschlossen
oder nahezu ausgeschlossen sein; ferner sollte die Mutter des getöteten
Jungtiers schneller erneut empfängnisbereit
werden, und
schließlich sollte das Männchen eine erhöhte Chance haben, das nächste
Kind des Weibchens zu zeugen.
Vielleicht,
so die Hypothese, kopulieren paarlebende Weibchen mit mehreren Männchen
nur, um die Vaterschaft ihrer Kinder zu verschleiern. Wenn die Vaterschaft
eines Kindes unsicher ist, wenn ein Männchen also Gefahr läuft, sein
leibliches Junges zu töten, verringert sich die Infantizidgefahr auf nahezu
null. Diese Hypothese ist bei sozial monogamen Säugetieren bisher nur
indirekt belegt und als Erklärung für promiskes Verhalten paarlebender Vögel
unwahrscheinlich, nicht zuletzt, weil Infantizide bei Vögeln selten,
Extra-Paar-Kopulationen sozial monogamer Weibchen aber häufig sind
Solch
evolutive Veränderungen in Verhalten oder Fortpflanzungsbiologie können
ihrerseits neue, selektive Vorteile bringen. Den wahrscheinlichsten Vorteil in
der Evolution zu festen Paaren sehen van Schaik und Kappeier in der
Entwicklung direkter, männlicher Hilfe bei der Jungenaufzucht: Sie
vertreten die These, dass der entscheidende Beitrag, den paarlebende Primatenmännchen
leisten, im Schutz vor Infantizid liegt. Sie kommen zu dem Schluss, dass
bisher nur die Verringerung des Infantizidrisikos bei gesellig lebenden
Primatenweibchen sowie die Verringerung des Raubfeindrisikos durch
Nestbewachung bei solitär lebenden Weibchen plausible Schrittmacher für den
evolutiven Sprung von flexiblen zu festen Paaren darstellen, und dass beide
Aspekte auch für die Aufrechterhaltung des Paarlebens maßgeblich sind.

Dass
die Entwicklung des Paarlebens notwendigerweise an die gemeinsame Sorge um
Nachwuchs geknüpft ist, bestreiten allerdings Peter N. M. Brotherton und
Petr E. Körners (Department of Zoology, Cambridge University, Cambridge,
England). Sie untersuchten eine kleine Antilopenart, die Dikdiks, die in
sozio-genetisch monogamen Paaren leben. Jungtiere kommen einzeln zur Welt und
verstecken sich in niedrigem Gebüsch, bis sie der Mutter folgen können. Männchen
helfen nicht direkt bei der Aufzucht. Unter den Hypothesen zur Evolution
sozialer Monogamie trifft laut Brotherton nur eine auf Dikdiks zu: Soziale
Monogamie entwickelte sich als extreme Form der Partnerbewachung.
Die
Beispiele aus dem Tierreich verdeutlichen, dass soziale, sexuelle und
reproduktive Beziehungen auch bei
sozial monogamen Arten, bei denen bisher das Schlagwort „monogam"
als alleinige Beschreibung kernfamilienähnlicher
Strukturen auszureichen schien, komplex und vielfältig sind. Der
Workshop zeigte, dass sich die Gründe für sexuelle Flexibilität nicht immer
finden lassen. Und eine Frage wird uns Menschen weiterhin beschäftigen:
Wie sieht es mit sozio-sexueller Monogamie bei Homo sapiens aus? Der Zugang
zur biologischen Seite menschlicher Fortpflanzung ist schwierig. Menschen
lassen sich schlechter beobachten als Tiere, weshalb Strukturen sexueller
Beziehungen bestenfalls indirekt durch Befragung zugänglich sind. Damit
werden die „harten" Daten anfällig für Fehlerquellen. Auch
Experimente sind nur eingeschränkt durchführbar, und repräsentative
genetische Vaterschaftsuntersuchungen in einem größeren Rahmen fehlen
bisher gänzlich. Es scheint überhaupt fraglich, ob jemals empirisch
abgesicherte Erkenntnisse über menschliches Fortpflanzungsverhalten
gesammelt werden können, die entsprechenden
Befunden bei Vögeln oder anderen Säugetieren gleichen.
der
mensch
ZWISCHEN natur UND kultur
Obwohl
soziale Monogamie bei vielen Tieren eng an ökologische Bedingungen gebunden
scheint, unter denen es für Männchen lohnender ist, sich um die Jungen Fürsorge
zu kümmern, als weiter auf Brautschau zu gehen, fand Low keinen solchen
Zusammenhang hei menschlichen Kulturen. Sie stellt weiter fest, dass
Gesellschaften, in denen Männer ihren verheirateten Status und damit ihre Unverfügbarkeit signalisieren, häufig soziale Monogamie
praktizieren. Diese
Gesellschaften sind überwiegend von starken ökologischen Zwangen geprägt,
die es Männern ohnehin nicht erlauben würden, sozial polygyn zu leben.
Im
Industrialisierungs-Zeitalter verbreitet sich soziale Monogamie in westlichen
Kulturen immer starker, weil die Ernährung der Familie schwieriger und
soziale Polygynie für Männer immer weniger vorteilhaft wurde. Vermutlich, so
fasste Low zusammen, folgt Monogamie bei Menschen denselben Gesetzmäßigkeiten
wie bei Tieren und ist vielleicht nur etwas komplizierter. Ob dieses Fazit
auch das promiske weibliche Sexualverhalten vieler paarlebender Tierarten
einschloss, blieb offen.
Bisher
kann man nur spekulieren, ob Frauen in Gesellschaften, die streng auf
monogames Zusammenleben ausgerichtet sind, häufiger von ihrem sekundären
Partnerwahlpotenzial Gebrauch machen und häufiger Kinder mit anderen Männern
als mit ihren sozialen Partnern zeugen als in Gesellschaften mit freierer Wahl
des Partners. Romane, Filme und Boulevardzeitungen nehmen sich dieses Themas
gern an. Und auch, wenn man den Klatschspalten von Hochglanzillustrierten
nicht unkritisch Glauben schenkt:
Das
den meisten wohl (oder sollte man besser sagen: unwohl) vertraute
Eifersuchtsgefühl ist vielleicht das sicherste Indiz dafür, dass man sich
seines Partners - trotz Trauschein oder Ehevertrag - eben nie ganz sicher sein
kann.
Der Begriff Monogamie wurde auf dem Workshop nicht neu definiert, aber
verfeinert; es bleibt dennoch ein weites Feld, auf dem erst wenige Bereiche
klar abgesteckt sind. Deutlich wurde die Vielfalt und Flexibilität innerhalb
der Gruppe jener Tiere, die aufgrund ihres Paarlebens gewöhnlich unter dem
Sammelbegriff „monogam" zusammengefasst werden, In der Erkenntnis der
Vielfalt monogamer Lebensformen lag das eigentlich wichtige Ergebnis der
Tagung.
Dass
monogames Zusammenleben nicht gleichbedeutend mit der Fortpflanzung in
Paaren ist, zeigen viele Untersuchungen an Vögeln. Die kleine Zahl
paarlebender Säuger, die bisher genetisch untersucht wurden, offenbaren eine
überraschende Kontinuität zwischen sozialem und genetischem System.
Fremdgezeugte Jungtiere wurden bei sozial monogamen
Saugelieren nur vereinzelt gefunden. Der Grund für diesen Unterschied
ist bisher unklar; möglicherweise spiegelt sich darin der prinzipielle
Anteilsunterschied monogamer Systeme bei Vögeln und Saugetieren. Vögel
leben überwiegend in sozialen Paaren, doch nur ein kleiner Teil der Säugetiere
ist sozial monogam. Denkbar wäre, dass sich Paarleben bei Säugetieren nur
dort entwickelt, wo männliche und weibliche
Reproduktionsinteressen sehr nah beieinander liegen. Vielleicht ist
der Unterschied auch in den Bedingungen für soziale Monogamie begründet.
Bei Feldsperlingen
hält die Beziehung häufig
monogamie
AUF „LANGE sicht" VON vorteil?
Während
bei Vögeln Männchen in der Jungenfürsorge vielfach dieselben Aufgaben wie
Weibchen übernehmen, indem sie brüten und Jungtiere füttern, sind
Säugetiermännchen
durch laktierende Weibchen weitgehend von der direkten Fürsorge um den
Nachwuchs entbunden. Möglicherweise schränkt das die Ausbildung des sozial
monogamen Systems bei Säugetieren ein, sodass Männchen ihre sozio-sexuell
polygyne Grundtendenz leichter gegenüber Weibchen durchsetzen können. Außerdem
können Vogelweibchen Sperma aufbewahren und es offenbar gezielt zum
richtigen Zeitpunkt für die Befruchtung eines Eis einsetzen. Dieser Weg
weiblicher Manipulation biologischer Vaterschaft steht Säugerweibchen nicht
oder nur sehr bedingt offen -ein Umstand, der die genetische Partnerwahl nach
sozialer Partnerwahl erschweren und so soziale mit genetischer Monogamie
verbinden könnte.
Vielleicht
besteht auch ein Zusammenhang zwischen reproduktiver Monogamie und der
Langlebigkeit vieler Säugetiere im Vergleich zu Vögeln.
Genetische Monogamie
scheint auch bei Vögeln weiter verbreitet, bei denen Partner für viele
Jahre zusammen bleiben. Dies unterscheidet die meisten paarlebenden Säuger
von vielen Sperlingsvögeln, bei denen Paare häufig nur eine Brutsaison
zusammen leben und sich jedes Frühjahr neu verpaaren. Ganz anders ist das hei
Säugetieren und besonders bei Primaten, deren Sozialbeziehungen auf lange
Zeiträume angelegt sind. Hier kennen sich Sozialpartner gut und
interagieren wiederholt miteinander. Das schafft möglicherweise
Bedingungen, die dort, wo sich soziale Monogamie entwickelte, auch die
genetische Monogamie vorteilhaft machte. Das könnte letztlich heißen:
Langlebigkeit und Dauerhaftigkeit sozialer Paarbeziehungen bieten vielleicht
doch gute Voraussetzungen für sozio-genetische Monogamie.
QUELLE:
MAX
PLANCK FORSCHUNG 02/2002
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