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„Trotz ist das Gegenteil von
wirklicher Unabhängigkeit.“ |
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„- nicht umsonst
heißt es in den Geboten: Du sollst dir kein Bildnis machen! Jedes Bildnis
ist eine Sünde. Es ist genau das Gegenteil von Liebe... Wenn man einen
Menschen liebt, so lässt man ihm doch jede Möglichkeit offen und ist trotz
allen Erinnerungen einfach bereit, zu staunen, immer wieder zu staunen,
wie anders er ist, wie verschiedenartig und nicht einfach so, nicht ein
fertiges
Bildnis...“
(Julika zu Stiller) |
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„Mein Staatsanwalt hält die Ehe für
durchaus möglich, wenn auch schwierig. Natürlich meint er die wirkliche,
die lebendige Ehe. Zu den Voraussetzungen rechnet er unter anderem: das
beidseitige Bewusstsein davon, dass wir kein Anrecht haben auf die Liebe
unseres Partners; die lebenslängliche Bereitschaft für das Lebendige,
selbst wenn es die Ehe gefährdet, und also immer eine offene Tür für das
Unerwartete, nicht für Abenteuerchen, aber für das Wagnis; in dem
Augenblick, wo zwei Partner glauben, einander sicher zu sein, haben sie
sich meistens schon verloren. Ferner: die Gleichberechtigung von Mann und
Frau; Verzicht auf die Meinung, dass die geschlechtliche Treue hinreiche,
und ebenso auf die andere Meinung, dass es ohne geschlechtliche Treue
überhaupt keine Ehe gebe; eine möglichst weitgehende und lautere, nicht
aber rücksichtslose Offenheit in allen Nöten dieser Art. Und wichtig
scheint ihm auch der gemeinsame Mut gegenüber der Umwelt; ein Paar hat
bereits aufgehört, ein Paar zu sein, wenn einer der beiden Partner oder
beide Partner sich der Umwelt verbünden, um den anderen Partner unter
Druck zu setzen; ferner die Fairness, nie dem Partner einzureden oder
sonst wie glauben zu machen, dass sein Austritt aus der Ehe uns töten
würde usw. ...“ |
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"Helene holt tief Luft zu einem
großen Sprechen, und Wilfried hält seine an. Sie sagt: "Ich weiß auch
nicht, wofür ich jemanden lieben kann. Ich weiß nur: Wenn ich jemanden
liebe, dann sind mir seine Siege genauso egal wie seine Fehler. Auf einmal
ist die Bejahung eines ganzen Menschen da. Ich kann nicht sagen, was ich
an ihm liebe. Ich könnte zwar alle seine Vorzüge aufzählen, aber ich würde
damit die Frage nicht beantworten. Genausowenig habe ich Lust, die Liste
seiner Schwächen aufzustellen. Ich habe nämlich, wenn ich liebe, nicht den
geringsten Wunsch nach ein bisschen Hassmöglichkeit für alle Fälle. Das
ist vielleicht bei mir das sicherste Zeichen für Liebe, dass ich keinen
Hang zum Aufrechnen habe. Die Kasse muss überhaupt nicht stimmen. Und was
so ein Kerl sich altes erlauben darf, ohne dass ihm ernsthaft was
passiert! Es ist ja auch absurd zu glauben, man müsste zusammenpassen wie
zwei Zugpferde!" |
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Helene sagt: "Noch was: Ich habe in
der Liebe keine Raffinesse! Jedenfalls nicht vom Verstand her. Sagen wir:
Das Gefühl kalkuliert. Jemand muss ja Obacht geben. Bestimmt liebt man
einen Menschen auch aus Vorsicht, so wie man einen anderen aus Vorsicht
nicht liebt. Man wird doch nie jemanden lieben, von dem man annehmen
muss, dass er einen zerstören kann." |
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"Ich bleibe doch dabei: Liebe, das
ist, wenn das Gefühl kalkuliert, mit wem zusammen man, geteilt durch zwei,
ein Mensch würde, den man akzeptieren könnte. Ich glaube, die Liebe des
Menschen hat viel mit seinem unbewussten Ungenügen an sich selbst zu tun.
Und was der Kopf dann noch versucht, ist Rechtfertigung für eine schon
längst getroffene Entscheidung. Was so ein Kopf dann noch alles dem Gefühl
zuliebe fertig bringt ...! Richtig rührend kann so ein Kopf da sein! Was
der alles findet, das für die Verbindung spricht! Und was der alles unter
den Teppich kehren kann! Der rät einem auf einmal nur noch zu. Man will
den Kerl ja lieben! - Und wie kann so ein Kopf umgedreht arbeiten,
wenn eine bestehende Antipathie untermauert werden muss! - Ich glaube
schon: Erst ist die Liebe, das andere kommt dann!" |
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Wenn jetzt jemand sagen würde: "Na,
Wilfried, und wie steht´s bei Dir so mit der Liebe?", hätte er keine
schnelle Antwort, die Helene gefallen könnte. Bei ihm geht nämlich alles
mehr über die Schönheit. Wenn er Schönheit erlebt, kann er so was wie
seine Liebe nicht halten. Es fällt ihm schwer, sie einfach vorbeiziehen zu
lassen. Er möchte immer am liebsten hinterher und weiterstaunen. Da soll
ihm jetzt mal bitte keiner Vorwürfe machen. Schon unter seiner Großmutter
war es erreicht, dass er, wenn er eine Frau schön fand, und das jemand
sagen wollte, die auch gleich noch nett finden musste. "Die ist nett!"
hieß bei ihm schon eher: "Die ist hübsch!"
Bis in die Windeln muss es
zurückreichen, dass man ihm die Theorie von den inneren Werten beibrachte.
Und so alt wie diese Lehre ist auch sein Misstrauen gegen sie. Es war ihm
immer verdächtig, wenn hässliche Menschen mit religionsstiftender Stimme
erklären wollten, dass man einen Partner nach seinen inneren Werten
auszusuchen habe und dass man sich dabei von der Faustregel leiten lassen
sollte, dass diese Werte sich geradezu unausweichlich in nichtbegehrten
Körpern aufhielten.
Ja, Wilfried war so weit entfernt, er
möchte fast behaupten, es gibt keine innere Schönheit ohne die äußere! -
Aber obwohl er seinen Schönheitsbegriff für inzwischen so gereift hält,
dass ihm nicht passieren kann, einen innerlich hässlichen Menschen für
äußerlich schön zu halten, hat er doch Probleme damit, in erster Linie auf
äußere Schönheit zu reagieren. Dabei gibt ihm gerade Helene doch wieder
recht. Die ist doch umfassend schön! Helene ist doch der beste Beweis
dafür, dass er richtig geguckt hat! Außerdem ist er sich bei der
Beurteilung innerer Schönheit nie so sicher wie bei der äußeren. -
Hoffentlich kommt er damit jetzt nicht dran! |