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     update:  27.12.11   

 zurück Bedeutung der Runen

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A ltgermanische Dichtung (etwa 4.-9.Jh)

 

1.Allgemeines

»       entstand nach der Völkerwanderung und noch vor den Einflüssen des Römischen Reiches

»       stellt eine eigene „Dichtkunst“ dar, die jedoch buchlos war

»       niedergeschriebene Werke entstanden erst mit kirchlichem Einfluss, daher ist im Sinne von Literatur erst von den lateinischen Schriften kirchlichen, zwischenvölkischen Inhalts zu sprechen

»       urgermanische heidnisch-weltliche Inhalte wurden mündlich überliefert (mit Ausnahme von Skandinavien/ Island, wo der kirchlich- römische Einfluss kaum eine Rolle spielte)

»       d.h. „altgermanische Dichtung/ Literatur“ wird  erst im Mittelalter sichtbar

»       entstand im Ursprung als Runeninschriften (um 3.Jh), die sich später mit dem Einfluss Roms im 4.Jh.kaum gegen das Lateinische behaupten konnte

»       weitere Einflüsse: um 500 durch die Franken, um 600 durch keltische Iren, 7.-9.Jh. (ausgeprägt christlich) aus Irland, Nordengland und das Frankenreich, im 9. Jh. wiederum durch die Iren

»       bringt kaum bestimmte oder benannte Autoren als typische Urheber bestimmter Werke hervor, da die Ursprünge und somit Vorlagen für spätere große Epen aus dem Volke hervorgingen, stellt also eine Art völkische Kunst dar ist hauptsächlich in Stabreim* geformt

 (*Stabreim [Aliteration]: 2 oder mehrere aufeinander folgende Stammsilben mit demselben Anlauf aufeinander bezogen àz.B.: „Hiltibrant eti Hadurand \  unter heriun tuem“ [Hiltibrant und Hadubrand \ zwischen zwei Heeren]. In der altgermanischen Dichtung wurden die Verse gebildet, indem man beide Kurzzeilen der Langzeile durch Stabreim verband (metrisches Mittel). )

 

2. Die Anfänge- Entstehung der Runeninschriften (3.Jh.)

  »             Entstehung der Runenschrift um 3. Jh.

  »       war Lautschrift (Alphabet) als auch Wortbedeutungen, Zauberformeln, die sich in Skandinavien bis zum  7. Jh. erhalten konnte

»       war eher Kleinkunst als Literatur, da zunächst  nur festgehalten in Naturmaterialien (bevorzugt Holz) zur Beschwörung der heidnischen  Götter

»       Datierung des Ursprungs bestimmter Werke schwer, da bereits in der Frühzeit  entstandene und mündlich überlieferte Inhalte erst im Mittelalter niedergeschrieben wurde. (z.B. Hildebrandslied um 780)

»       unterscheidet inhaltlich 2 Gattungen: Eddisch: Allgemein, objektiv und einfach, àProsa, bescheidener & Skaldisch: subjektiv(aus dem Leben/ Umfeld des Dichters), Preislied & Alltagslyrik àkunstreicher, lyrischer, anspruchsvoller

 

3.Arten germanischer Dichtformen:

3.1. niedere/ einfache germanische Dichtformen:

(1)   RITUALDICHTUNG

»       Unterabschnitte: Weissagung, Opfer, Hymnus und Gebet

(Bsp.: „Freyr und Njörd, verfolgt des  \      Landes Feind mit Schande!  \   Treffe den tollen Frevler\  Thors Zorn hart und dornig!“  àEgilssaga)

»        weitere: Weihinschrift, Rechtsgeschäft, Hochzeitslied und Totenlied, Schlachtgesang

(Bsp.: Losorakel „Tacitus“ à Zweige wurden entsprechend ihrer Lage den Runenzeichen zugeordnet entsprechend gedeutet

»       weitere: Totenlieder

 (Bsp.: „Cantus funereus“  von Jordanes à anläßlich Attilas Beisetzung

 

(2)   ZAUBERDICHTUNG

»       Arten: Schadenszauber/ Fluch, Abwehrzauber (Beschwörung/ Segen)

z.B.: Merseburger Zaubersprüche (Handschrift 9.Jh.) oder

Egilssaga (Bannspruch gegen Börgenund): „Dies lege ich dir auf, daß du seiest  \  dem Heile enthoben,   \  allem Glück und Gut,  \    aller Wehr und Weisheit  \  je länger je mehr   \   dein Leben lang!“

»       sie beziehen sich im Ursprung auf einzelne Runen, die im Kern den Inhalt des Zaubers enthalten/ darstellen (s.  Anl.2)

»       Spruch und Runenzeichen stützen sich gegenseitig

Bsp.: „Rúnófáhi raginakundó“ [´Runen zeichne ich, gottheitenentstammte`]

àMan ritzte bestimmte Runen auf Stöcke und hielt sie dem Feinde entgegen oder verzierte Waffen mit Siegrunen

 

(3)   Spruchdichtung

»       Unterscheidung im groben zw. Begriffs- & Gedankenformeln

»       beinhalten alltägliche Situationen, Sitten & Lehren, Sprichwörter und Rätsel

Bsp.:„Mórd múß man mit mórde kühlen“ [friesischer Rechtssatz]

„bíta myndi núbeinfiskr, ef at bordi maetti dragaz“ [`anbisse nun der Fisch, ließe er sich nur an Bord ziehen`] àGisla Saga

 

(4)   Merkdichtung:

»       diente zur Belehrung und Unterhaltung (Weitergabe von Wissen über Landeskunde, Mystik, Heroik, Runenkunde usw.)

»       stellt also Botschaft, Kunde und Erzählung dar „Thula“ (bzw. Pula*)

(siehe Snorris Skaldenhandbuch mit >700 Langzeilen mit >3500 Vokabeln z.B.: „Ein flokkr sind fünf Leute,   \  eine sveit ists, wenn es sechs sind...` bis  `ein heer sind hundert“)

»       auch als Einschub in große Gedichte oder als Vorlage für ebensolche

»       Runen hier jedoch als Lautzeichen ohne Magische Bedeutung

 

(5)    Kleinlyrik:

»       Stile: Chorlyrik   und   Tanzlyrik

Bsp.:  „Es dunkelt zur Bö,  \ es regnet Blut,   \   es stirbt der harte  \  Helmstrunk vom Rumpf“ (Isländersaga nach Heimskringla àSnorris Königsandbuch)

»       jedoch nicht im wörtlichen Sinne zu verstehen, kaum Lyrik im lit. Sinne

»       Chorlyrik meint gemeinsamen  Sprechgesang (Gemurmel) bei der Arbeit

(Bsp: „vindum, vindum,..“. [`winden wir, winden wir...`] oder als Schlachtrufe (Bsp.: „fram, fram, bóandmen,  \  fram, fram krists men, kross men, konungsmen“ [`vor, vor, Bauersleut, vor, vor, Christenmänner, Kreuzesmänner, Königsmannen`]

»       Wortgeflechte, die sich meist zu Metaphern fügen

»       der erzählerische Stil überwiegt

»       Arten: Arbeitslieder (-gedichte/ -strophen), Kinderlieder, Mädchenliedstrophen (`Mansöngvísur`)/ Liebesstrophen, Traumstrophen, Spott- & Scheltstrophen

 

3.2. höhere germ. Dichtformen - Hofdichtung

(1)   Preislied:

»       wird schon der höheren Skaldenkunst zugeordnet

»       ist dem Lyrischen nahe, besitzt aber auch geschichtlich erzählenden Charakter

»       meist Stegreif, später von Kirchenmännern in Reimform gebracht (s. Ludwigslied 9.Jh.)

»       Gruppen: eddische Preislieder, Stammbaumgedichte (im Ursprung aus der Merkdichtung), Bildergedichte

»       enthält mythische/ heroische Stoffe

 

(2)   Erzähllied:

»       allgemeine Form des Heldengedichts

»       „Sagenlied“ mit Inhalten aus Götter-& Heldensagen, mythischen & heroischen Geschichten

»       Vertreter: (dt.) Hildebrandslied, (engl.) Hengestlied („Finusburgkampf“)

»       Nacherzählungen in lat. u. isl. Prosa

»       Ausgeprägteste Form: Heldensaga

»       Grundformen german. Ursprungs: altes Sigund-, altes Attli-, Hamsridlied, Wölund- & Hunnenschlachtlied

»       Inhalte episch-dramatischer Natur

»       bis 6. Jh. annähernd allgemeingermanische Dichtform

»       erfuhr volle Ausprägung im angelsächsischen im 8. Jh. (Bsp. Beowulf, Widsith)

»       fand Anlehnung in den großen Epen (Sigfrid) im 9./10. Jh.

»       Stil: durchsichtig, wenig verschlungen  und blumig, nicht langatmig, oft unprosa

»       im Norden stark ausgeprägt (hingegen südl. kaum auffindbar): die Götterichtung (siehe Snorri)

»       dort auch mehr lyrische Elemente mit Ausmalungen und Darstellung von Seelenvorgängen, also über das einfache Erzählerische hinaus (s. Klagelieder)

 

(3)   Epos

»       gehört stilistisch zur Lyrik

»       Epen sind Schriftstellerwerke,können also weitestgehend ihren Autoren zugeordnet werden

»       zunächst biblische Stoffe

»       Bahnbrecher Caedmon (vor 700) bedichtete viele Teile des AT & NT

»       Nach 730 Anwendung dieser Kunst auf heidn. Stoffe

»       1. germ. heidn. Heldenepos: Beowulf (Autor unbekannt) mit 3000 Langzeilen, danach Waltherepos

»       daneben entwickelten sich kirchl. Epen weiter (z.B. Werke Cynewulfs, 2. Hälfte 8, Jh)

»       820  Heliand,6000 Zeilen (sächsischer Autor unbenannt)  stellt Höhepunkt dieses Stils dar und gilt daher als Stilvertreter der ausgeformten Art dieser Dichtung

»       Engl. Vorläufer wurden im Stil übernommen und gesteigert Wurzeln liegen jedoch im Ursprung in der heidn. Liederdichtung

»       Flutender Bogenstil, schwellende Variation

»       Sätze bis zu 7 Stockwerken, Üppige Versform, Auftakte bis zu 11 Silben

»       allgemeine Charakteristik der Epen: unterschiedliche Versformen, dazwischen freier Zeilenstil, reich an schmückenden Beiworten und nominalen Zusammensetzungen, Strophen sind satzreicher, Worte silbenreicher, Verse sind üppig in Ausdruck und Volumen

 

(4)   Die Isländersaga

»       „sögn-Ljod“ [das erzählende Gedicht]

»       wird aber der Epik zugeordnet (erzählerische Prosa)

»       entspringt mündlicher Prosaepik als gesellsch. Unterhaltung, entstand als Chronik

»       stellt Zwischenstück zwischen Chronik und Unterhaltungsstück dar

»       Vertreter: Halldor, Sohn Snorris um 1040); Sturla 1263; 1167 Arnoldus Thylensis à[der Mann aus Thule (Island)], höfischer Unterhalter am Hofe Dänemarks

»       Stil: leicht, erzählend, fließende, gespickt mit Fabeln, umfangreicher Inhalt

»       Charakteristik:

»       Verwebung von Stammbäumen und Orten

»       Übertreibung in Waffentaten, leiblichen Vorgängen...

»       S/W-Zeichnung des Menschen

»       Wunschbilder anstelle realer Darstellung v. Personen, großmütig

»       verknüpft mit schalkhafter Spottlaune

»       Neigung zur Fabelei, zum Märchenartigen

»       Ausmalung von Abenteuern

»       ritterlicher Aufputz, Wappenwesen, Zeremoniell

»       Ausflug in erotische Beschreibungen (Anm.: für damal. Zeit ungewöhnlich, rührte von den Kreuzzügen im Südosten)

»       glatter, flüssiger Satzbau

»       Zunahme von Lehnwörtern aus dem Deutschen

»        Gattungen: Isländersaga (Familiengeschichten 9.-11.Jh.), erfabelte, romanhafte Isländergeschichten (selbe Zeit), Geschichten aus den nordischen Bruderländern (850-1280 spielend) – „Königsgeschichten“ („Konunga Saga“), nordische Abenteuer- und Heldenromane („Vorzeitgeschichten“ („Fornaldarsaga“)

 

4. Die Edda als zusammenfassendes Gesamtwerk der  altgermanischen Dichtung

»       weitestgehend komplette dt. Übersetzung des Urtextes entstand erst 1912 von Felix Genzmer

»      initiiert von Dr.Andreas Heusler, damals führender Forscher altgerm. Literatur)

»       ff. (bis 1930) Ausweitung zur „Sammlung Thule“ (24 Bd.), 1920: 2. Edda-Ausgabe

»       heutige Edda ist Produkt der weiterführenden Forschung und lehnt sich an den späteren Erkenntnissen Genzmers an

»        „Ur-Edda“:Schöpfung des Hochmittelalters =Zusammenfassung von vorwiegend isländischen  Dichtungen des 13.Jh. im Codex Regius (mittelalterl. Liedersammlung)

»       Ursprung:jüngere E.= Poethologisches Handbuch v. Snorri Sturluson (1178/79-1241)

»       stellte Anleitung für die Ausübung der Skaldenkunst dar

»       umfasste sowohl die wichtigsten Werke des Altertums als auch Anleitungen in Stil, Charakteristik und Aufbau skaldischer Werke

dient heute aber eher als Gattungsbegriff für Texte, wie sie vorwiegend im Codex Regius enthalten sind.

 

Quellen:      

»        Dr. Andreas Heusler (Professor an der Universität Basel): Die altgermanische Dichtung, hier in 2. Auflage v. 1941, erschienen in der Potsdamer Akademischen  Verl. Gesell. Athenaion

»        Die Edda: Götterdichtung, Spruchweisheiten und Heldengesänge der Germanan/ übertragen von Felix Genzmer. Eingeleitet von Kurt Schier.- Sonderausgabe- München: Dietrichsverlag 1997

»        Odin, Nordische Göttersagen von A. Kaiser-Langerhannß, Bechtmünzerverlag, (hier Reprint auf Grundlage der Ausgabe des Commissions-Verlages von Friedrich Bruckmann, München 1881, Herausgeber: Weltbild Verlag GmbH, Augsburg 1998)

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Bildanhang:  

Handschrift Ende 13.Jh. aus Codex Runicusder Universität Kopenhagen

 

 

                                      

   

Stein mit Runeninschrift                                                                            

aus der älteren Edda,  Handschrift, 13.Jh.

                                 

Handschrift, 10.Jh. aus Beowulf