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     update:  27.12.11   

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Ich bitte die Benutzer dieser Site um Feedback in meinem Forum zu diesem Thema

(Da der Zugriff auf diese Seite sehr häufig erfolgt und durch den aktuellen Amoklauf von Tim Kretschmar in der Albertville-Realschule in Winnenden zur Diskussion beiträgt, bitte ich um Meinungen zu diesem Thema. Danke!!)

Deutsch-Klassenarbeit (4h), Dialektische Erörterung (2002)
   Thema: Sind die Gewaltdarstellungen in den Medien verantwortlich für die zunehmende Gewalt in der Gesellschaft?   

 

Einleitung

Als ich am vergangenen Sonntag Abend beim Durchschalten der Fernsehsender auf einem privaten Sender landete und den umstrittenen Film "Natural Born Killers" zu sehen bekam, war ich im Zwiespalt mit mir selbst. Die künstlerische und darstellerische Umsetzung des Films faszinierte mich und bewog mich, ihn bis zum Schluss anzusehen. Jedoch die freizügige Darstellung von unzähligen Morden ekelte mich an. Der Film handelt von einem jungen amerikanischen Pärchen, das schwer bewaffnet durch das Land zieht und grund- und emotionslos mehr als 50 Menschen erschießt. Nach einer blutrünstigen Gefängnisrevolte, die live ins Fernsehen übertragen wird, erlangen sie mit Hilfe eines Reporters unbehelligt die Freiheit.

Ironischerweise ist die Schlussaussage des Films, dass das Fernsehen diese Orgie der Gewalt provoziert und gefördert hätte. Ich trug am Ende des Films diese Grundaussage mit und musste an Robert Steinhäuser denken, der am 26. April diesen Jahres genauso wie in diesem Film mit einer Pumpgun durch das Gutenberg-Gymnasium in Erfurt läuft und binnen kurzer Zeit kaltblütig 16 Schüler und Lehrer ermordet.

Die Gewaltbereitschaft in unserer Gesellschaft steigt ebenso rasant, wie die  Darstellung realer und fiktiver Gewalt in den elektronischen Unterhaltungsmedien. Es besteht also die berechtigte Frage, ob hier ein direkter und proportionaler Zusammenhang besteht. Ich werde darlegen, ob es tatsächlich die Medien sind, die zur Verrohung unserer Gesellschaft führen und ob Menschen wie Steinhäuser durch Reality-TV, PC-Spiele und Gewaltvideos zu Mördern werden.

Die ständige Präsenz von Gewalt, Mord und Tod in den Medien führt zur Verharmlosung von Gewalt.

Amerikanische Jugendliche sehen im Durchschnitt 4,5 Stunden pro Tag fern und verfolgen dabei etwa 80 Morde. Deutschland tendiert nach und nach zu ähnlichen Statistiken. Selbst ohne dem Konsum von brutalen Videos und Computerspielen, die das Töten zur Aufgabe machen, reicht ein Blick ins Fernsehen, um mit Morden, Gewalt und Verbrechen kontinuierlich "versorgt" zu werden. Selbst wenn man Gewalt ablehnt, Respekt vor dem Tod hat und Mitleid mit den Gewaltopfern, kann man sich kaum dagegen wehren, dass der Grad der Abscheu und Empfindlichkeit beim Anblick von Blut, Wunden und Verstümmelung immer mehr sinkt. Wir haben uns an diese Bilder gewöhnt und wenn wir in den Nachrichten verhungerte Kinder, getötete Menschen und Schwerverletzte bei Unglücken -also reale Schicksale- sehen, nehmen wir dies fast so emotionslos auf, wie den nachfolgenden Wetterbericht. Wir sind an den Tod gewöhnt. Eine skurrile Tatsache, denn die Vorstellung an den eigenen Tod wird in unserer Kultur und Gesellschaft verdrängt und ausgeklammert. Der Tod ist steril geworden; ein Flackern auf dem Bildschirm, eine Zeile in den Nachrichten, aber nicht mehr ein Teil unseres eigenen Lebens.

Jugendlichen, die in dieser Gesellschaft heranwachsen, wird aufgezeigt, dass Gewalt ein normales Mittel ist, um unsere Interessen durchzusetzen. Selbst oberste Autoritäten -unser Staat und seine Regierung- heiligt den Krieg als politisches Mittel und bezeichnet die Tötung von Zivilisten bei NATO-Einsätzen verharmlosend als "Kolatteralschäden". Deshalb sehen vor allem Jugendliche nichts Ungewöhnliches darin, auch ihre eigenen Interessen durch Anwendung von Gewalt gegen ihre Mitmenschen durchzusetzen. Sie kennen es nicht anders, sie lernen es nicht anders. Statistiken unterstreichen diesen Trend zur Gewaltbereitschaft und belegen den Zusammenhang zwischen Gewalt in den Medien und realer Gewalt. Viele Jugendliche wenden an, was sie durch die Medien vermittelt bekommen.

Robert Steinhäuser* und seine amerikanischen Vorbilder sind nicht durch Killervidos und Computerspiele zu Massenmördern geworden

*[Anmerkung: und jetzt leider auch Tim Kretschmar in Winnenden]

Was unterscheidet mich von Robert? Ich habe auch etliche Filme, wie "Natural Born Killers" gesehen und schaue täglich fern. Auch ich kenne Konfliktsituationen in meinem Leben, in denen ich zunächst keinen Ausweg fand. Auch ich habe Abneigungen gegen bestimmte Menschen und Dinge, doch ich wende keine Gewalt an. Wären die Medien schuld an Gewalt und Mord, so dürfte ich nicht der friedliebende Mensch sein, der ich bin.

Gewaltbereite Menschen sind außerstande, ihre Konflikte anzusprechen und zu bewältigen. Sie können sich ihrer Umwelt nicht öffnen, sind nicht fähig, durch Kommunikation, Disziplin und Vertrauen, die Hilfe der Mitmenschen anzunehmen. Sie haben es nie gelernt, Probleme eigenständig, mutig und kreativ zu lösen. Die meisten Täterprofile belegen dies. Im Gegenzug können Menschen, die es von klein an erlebt und gelernt haben, über ihre Gefühle zu reden, bei Sorgen, Ängsten und Nöten angenommen zu sein, in jeder Situation geliebt zu werden und in jedem Menschen einen gleichberechtigten Partner zu sehen, keiner Fliege etwas zu leide tun.

Es sind also nicht die Medien, die jemanden zum Gewalttäter machen, sondern es sind die Eltern, wenn sie es versäumen, ihre Kindern Werte wie Nächstenliebe, Selbstachtung, Leistungsbereitschaft, Toleranz und Zielstrebigkeit anzuerziehen und stattdessen die Erziehung dem Staat und seinen Medien überlassen.

Zusammenfassung

Ich habe aufgezeigt, dass die Medien stärkeren Einfluss auf die Gewaltbereitschaft insbesondere von Jugendlichen haben. Doch die Annahme, die Medien seien die Hauptursache für die zunehmende Gewalt in unserer Gesellschaft, wäre ein Trugschluss. Es ist die Gesellschaft selbst, die labile Menschen zu Gewalttätern werden lässt. Es ist die mangelnde Fähigkeit von Staat und Familie, dem Menschen Werte, wie Rücksicht, Nächstenliebe, Selbstachtung, Respekt, konstruktive Konfliktlösungsbereitschaft zu vermitteln. Es sind die Maxime unserer Gesellschaft, wie Machtstreben, Geldgier, Selbstbehauptung, Konsumorientiertheit, Ausleben der Freiheit und mangelnde Verzichtbereitschaft, die junge Menschen überfordern und in die Gewalt treiben. Die Medien tragen nur ihren Teil dazu bei und zeigen gewaltbereiten Menschen auf, wie sie ihre Aggressionen ausleben können. Sie tragen Mitschuld an der Katastrophe, dass Gewalt anscheinend nur noch eine normale Alltagssituation ist und das Leid anderer uns kaum noch berührt.

Es ist und bleibt also die höchste und verantwortungsvollste Aufgabe der Eltern, dem entgegenzuwirken und durch unser eigenes Vorbild unsere Kinder zu reifen, friedliebenden und mitfühlenden Persönlichkeiten zu erziehen.

siehe dazu auch:

www.n-tv.de/893048.html

http://www.n-tv.de/1118261.html