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Kenia August 2003 - Seite 1/7

 

Kurzinformation:
Fläche: 582646 km2
Einwohner: (2000) 30,34 Mio.
Hauptstadt: Nairobi
Verwaltungsgliederung: 7 Provinzen und die Hauptstadt
Amtssprachen: Suaheli, Englisch
Nationalfeiertag: 12.ÿ12.
Währung: 1ÿKenia-Schilling (K. Sh.)ÿ= 100 Cents (cts)
Zeitzone: MEZ + 2ÿStunden
 

(amtlich Suaheli: Jamhuri ya Kenya, englisch Republic of Kenya; deutsch Republik Kenia), Staat in Ostafrika, grenzt im Norden an die Republik Sudan und an Äthiopien, im Osten an Somalia, im Südosten an den Indischen Ozean, im Süden an Tansania und im Westen an Uganda.

Staat und Recht: Nach der Verfassung von 1963 (mehrfach, zuletzt 1997, revidiert) ist Kenia eine präsidiale Republik mit Mehrparteiensystem. Staatsoberhaupt, Regierungschef und Oberbefehlshaber der Streitkräfte ist der auf 5 Jahre direkt gewählte Präsident. Er ernennt den Vizepräsidenten und die Mitglieder des Kabinetts, die der Nationalversammlung verantwortlich sind. Die Legislative liegt bei der Nationalversammlung (210 auf 5 Jahre gewählte und 12 vom Präsidenten ernannte Abgeordnete sowie der Speaker und der Generalstaatsanwalt als Mitglied kraft Amtes). Dominierende Partei ist die Afrikanische Nationalunion Kenias (KANU); daneben spielen v.ÿa. die Demokratische Partei (DP), die Nationale Entwicklungspartei (NDP), das Forum für die Wiederherstellung der Demokratie (FORD-Kenya) und die Sozialdemokratische Partei (SDP) eine Rolle.

Landesnatur: Von der Küste des Indischen Ozeans steigt das Land nach Nordwesten zu weiten Hochflächen (1ÿ500þ2ÿ000ÿm über dem Meeresspiegel) an, überragt von einzelnen erloschenen Vulkanen (Mount Kenia). Die Küstenebene ist im Süden schmal mit guten Naturhäfen, nach Norden wird sie breiter. Den westlichen Teil des Landes durchzieht der Ostafrikanische Graben mit seinen abflusslosen Seen, unter ihnen der Turkanasee (Rudolfsee). Im Südwesten hat Kenia Anteil am Victoriasee. Kenia liegt beiderseits des Äquators und hat tropisches Klima; die an der Küste hohen Temperaturen sind im Innern durch die Höhenlage gemildert. Die Niederschläge sind an den Aufwölbungen der Grabenzone, an den Luvseiten der Vulkane und im südlichen Küstengebiet reichlich und nehmen nach Norden und Nordosten ab. Die Gebiete mit hohen Niederschlägen tragen Regenwald und Feuchtsavanne; ein großer Teil des Hochlandes ist Trocken- und Dornstrauchsavanne, der äußerste Norden ist Halbwüste. Infolge des Raubbaus an Holz sind die von Dürre bedrohten trockenen Gebiete auf etwa 87ÿ% der Gesamtfläche angewachsen. Kenia hat mehrere Nationalparks und Wildschutzgebiete, die reich an afrikanischen Großtieren sind: u.ÿa. Elefanten, Geparde, Strauße.

Bevölkerung: Die etwa 40 ethnischen Gruppen unterscheiden sich sprachlich (30 Sprachen) und kulturell stark voneinander. Hauptgruppen sind die Bantuvölker (Kikuyu, Luhya, Kamba, Kisii), ferner nilotische und hamitonilotische Gruppen (Luo, Masai, Kalenjin u.ÿa.). Vor der Unabhängigkeit des Landes lebte eine starke weiße Siedlerschicht im klimatisch begünstigten Hochland. Am dichtesten besiedelt sind die niederschlagsreichen Gebiete (mittleres und westliches Hochland, südliches Küstengebiet). Größte Städte sind Nairobi, Mombasa, Kisumu und Nakuru.ÿþ Rund 73ÿ% der Bevölkerung sind Christen (knapp 18ÿ% gehören weit über 200 unabhängigen afrikanischen Kirchen an), 6þ10ÿ% (Schätzungen) sind Muslime. Traditionellen afrikanischen Religionen werden 10þ15ÿ% der Bevölkerung zugerechnet.ÿþ Schulpflicht besteht vom 7. bis 15.ÿLebensjahr, der Schulbesuch ist von der ersten bis zur vierten Klasse kostenlos; die Einschulungsquote liegt mit 90ÿ% sehr hoch. Neben Primar- und Sekundarschulen gibt es zahlreiche Privat- und Missionsschulen, Einrichtungen für Erwachsenenbildung, höhere Berufs- und Lehrerbildung; die wichtigsten Universitäten sind die von Nairobi (gegründet 1956) und die Moi Universität in Eldoret (gegründet 1982). Die Analphabetenquote beträgt 21,9ÿ%.

Wirtschaft und Verkehr: Trotz einer entwickelten Industrie und bedeutendem Tourismus (1996: 770ÿ000 Auslandsgäste) ist die Landwirtschaft Existenzgrundlage für 77ÿ% der Erwerbstätigen, hat aber nur einen Anteil von 29ÿ% am Bruttoinlandsprodukt. Nur 17ÿ% des Landes sind land- und forstwirtschaftlich nutzbar (davon 3,3ÿ% ackerbaulich); die übrigen Gebiete (besonders im Hochland) sind v.ÿa. Weideland für intensive sowie nomadisierende Viehhaltung und für Wildtiere (Reservate). Für den Eigenbedarf werden in bäuerlichen Betrieben v.ÿa. Mais, Kartoffeln, Maniok, Weizen, Bananen und Bataten angebaut; in Plantagenwirtschaften besonders für den Export Kaffee, Tee, Sisal, Südfrüchte, ferner zunehmend Gemüse und Blumen. Im Viktoriasee werden auch für den Export Fische gefangen. In der Industrie dominiert die Verarbeitung landwirtschaftlicher Erzeugnisse, ferner Textil-, Zement-, Düngemittel-, Holz verarbeitende Industrie und Weiterverarbeitung von importiertem Erdöl. Der Tourismus ist der wichtigste Devisenbringer. Wichtigste Handelspartner sind Großbritannien, Deutschland und die Vereinigten Arabischen Emirate.

þDas Straßennetz beträgt insgesamt 63ÿ800 km (etwa 15ÿ% asphaltiert); das Eisenbahnnetz ist 2ÿ654 km lang, die Hauptverbindung führt von Mombasa über Nairobi und Nakuru nach Uganda. Der Haupthafen Mombasa am Indischen Ozean dient auch der Versorgung der Binnenstaaten Uganda, Burundi und Ruanda; von regionaler Bedeutung sind die Häfen Lamu und Malindi sowie Kisumu am Victoriasee. Internationale Großflughäfen sind Nairobi und Mombasa.

Geschichte: Im Bereich der islamischen Suahelikultur (1000þ1500 n.ÿChr.) bestanden an der Küste des heutigen Kenia u.ÿa. die Stadtstaaten Mombasa und Malindi. Im 16.ÿJahrhundert gewannen die Portugiesen, im 18.ÿJahrhundert Araber aus Oman und im 19.ÿJahrhundert das Sultanat Sansibar die Herrschaft in dieser Region. Ab 1848/49 begann die Erforschung des Landesinneren durch Europäer. 1890 (Helgoland-Sansibar-Vertrag) einigten sich Deutschland und Großbritannien über ihre Interessensphären in Ostafrika: Deutschland beschränkte sich auf Tanganjika mit Ruanda und Urundi, Großbritannien erhielt Kenia und Uganda. Das 1895 proklamierte britische Protektorat Ostafrika wurde 1920 in die Kronkolonie Kenia umgewandelt; der Küstenstreifen, weiterhin formell unter dem Sultan von Sansibar, blieb Protektorat und kam mit der Unabhängigkeit 1963 als Provinz an Kenia. Unter dem Druck des Mau-Mau-Aufstandes (1952þ56) schuf die britische Kolonialmacht 1954 einen multiethnischen Ministerrat. Als Basis der Unabhängigkeitsbewegung gründete 1960 J.ÿKenyatta die »Kenia African National Union« (KANU). Im Juni 1963 erhielt Kenia innere Autonomie, am 12.ÿ12. 1963 die volle Unabhängigkeit, zunächst als Monarchie, seit dem 12.ÿ12. 1964 als Republik im Commonwealth. Staatspräsident wurde J.ÿKenyatta.

Infolge der Afrikanisierungspolitik der Regierung wanderten viele Asiaten v.ÿa. nach Großbritannien aus. Außenpolitisch bildete Kenia 1967 zusammen mit Uganda und Tansania die Ostafrikanische Gemeinschaft. Diese Wirtschaftsgemeinschaft löste sich 1977 auf, wird jedoch seit 1993 wieder schrittweise etabliert. Nach dem Tod Präsident Kenyattas (1978), der alle ethnischen und gesellschaftlichen Gruppen oft unter Anwendung politischen Drucks in der KANU zusammengefasst hatte, folgte ihm der bisherige Vizepräsident D.ÿarap Moi im Amt nach. Machtkämpfe und soziale Spannungen gipfelten 1982 in einem (gescheiterten) Militärputsch. Unter dem Druck internationaler Kreditgeber und einer erstarkenden Demokratiebewegung wurde im Dezember 1991 die (seit 1969 faktisch und seit 1982 de jure bestehende) Einparteienherrschaft abgeschafft. Der weiterhin autoritär herrschende Moi wurde im Dezember 1992 bei den ersten freien Präsidentschaftswahlen auf der Basis eines Mehrparteiensystems im Amt bestätigt (Wiederwahl 1997). Ein allmählicher Reformprozess wird jedoch durch Stammeskonflikte, die Unterdrückung der stark zersplitterten und ethnisch geprägten Opposition, durch Korruption, Gewaltverbrechen und Menschenrechtsverletzungen behindert. So führten ethnische Spannungen zwischen 1991 und 1994 zur massenhaften Vertreibung von Kikuyu, Luo und Luhya durch Angehörige der Kalenjin und Masai sowie 1997 zu schweren Unruhen.

© 2002 Bibliographisches Institut & F. A. Brockhaus AG